FRANKFURT (dpa-AFX) - Die wieder zunehmende Risikofreude der Anleger hat den Dax am Dienstag kräftig angeschoben. Der deutsche Leitindex schloss 1,26 Prozent höher bei 13 292,44 Punkten. Der MDax der 60 mittelgroßen Werte rückte um 0,11 Prozent auf 29 029,42 Zähler vor.

Für gute Stimmung unter den Dax-Anlegern sorgten frische Konjunkturnachrichten: So kam die deutsche Wirtschaft nach dem Absturz in der Corona-Krise kräftiger in Schwung als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im Zeitraum Juli bis September im Vergleich zum zweiten Quartal um 8,5 Prozent. Nach vorläufigen Daten war die Behörde zunächst von einem Plus von 8,2 Prozent ausgegangen. Das von dem Münchener Ifo-Institut berechnete Ifo-Geschäftsklima fiel zwar im November angesichts des neuen Teil-Lockdowns, hielt sich aber etwas besser als befürchtet.

Die Anleger gingen vor diesem Hintergrund mehr ins Risiko und bevorzugten nun wieder zyklische Aktien, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. "Die Wahrscheinlichkeit für eine weitaus bessere konjunkturelle Lage in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wächst mit jeder neuen Impfstoff-Nachricht. Dabei ist es auch ein gutes Zeichen, dass die Sektor-Rotation zurück in die Verlierer der Pandemie ohne Nettoverkäufe der stark gelaufenen Technologieaktien vonstatten geht."

Neuigkeiten gab es von der künftigen Zusammensetzung der wichtigsten deutschen Indizes: Die Deutsche Börse stockt den Dax ab September 2021 von 30 auf 40 Mitglieder auf. Zugleich kappt sie die Zahl der MDax-Werte von 60 auf 50. Ferner werden nur noch Unternehmen in den deutschen Leitindex Dax aufgenommen, die in den letzten zwei Geschäftsjahren profitabel waren.

Bisherige Corona-Verlierer wie MTU , Lufthansa , Fraport , Airbus und Tui setzten ihre Erholungsrallys am Dienstag fort. Papiere von Airbus kletterten im MDax auf das höchste Niveau seit März, Lufthansa, Fraport und Tui schafften es zurück auf den Stand vom Juni. Weiter treibt die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff die Anleger um.

Tags zuvor hatten die Devisenmarkt-Strategen Robin Winkler und George Saravelos von der Deutschen Bank in einer Studie dank des "beispiellosen Sieges der Wissenschaft" eine wohl deutlich schnellere Normalisierung vorgezeichnet, als es noch vor wenigen Wochen zu erhoffen war. Die Experten gehen davon aus, dass die Gesamtbevölkerung der Industrieländer bis Mitte kommenden Jahres immunisiert werden kann, wobei dies sogar auch noch schneller gehen könnte.

Die Continental-Papiere stiegen an der Dax-Spitze um gut sechs Prozent. Analyst Gabriel Adler von der US-Bank Citigroup sprach von einer attraktiven Kaufchance bei dem Autozulieferer. Conti sei von den Anlegern in den Topf der Verlierer gesteckt worden. Dies könnte sich aber nun wieder ändern, wenn das Management seine technologischen Qualitäten und das robuste Reifengeschäft besser herauskehre.

Die Anteilscheine von Deutz hingegen sackten als Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax um rund zehn Prozent ab. Der Motorenhersteller hatte seine Investoren auf eine langsamere Geschäftserholung eingestimmt.

Auch europaweit ging es deutlich nach oben: Der EuroStoxx 50 als Leitbarometer der Eurozone verbuchte einen Aufschlag von 1,30 Prozent auf 3507,98 Punkte, der französische Cac 40 und der britische FTSE 100 verzeichneten ähnlich starke Kursgewinne. Der New Yorker Dow Jones Industrial knackte erstmals in seiner Geschichte die Marke von 30 000 Punkten und stand zum europäischen Handelsschluss 1,6 Prozent höher.

Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1865 (Montag: 1,1901) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8428 (0,8403) Euro. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei minus 0,58 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,03 Prozent auf 146,11 Punkte. Der Bund-Future gab um 0,11 Prozent auf 175,22 Punkte nach./la/he

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---